Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

Aufbau der Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule stellt die bewegliche Verbindung zwischen der relativ starren Brustwirbelsäule und dem Kopf dar. Sie besteht aus 7 Halswirbelkörpern und 6 Bandscheiben. Zwischen den ersten beiden Halswirbelkörpern (C1 und C2) befindet sich keine Bandscheibe. Die Schädelbasis ist mit dem ersten Halswirbel und dieser wiederum mit dem 2. Halswirbel über je 2 Gelenke verbunden, die eine große Bewegungsfreiheit gewährleisten. Durch diese beweglichen Gelenke ist die Anpassung der Kopfstellung und damit der Sichtachse an jede beliebige Körperposition möglich. Sie ermöglichen die Kopfdrehung und Nickbewegungen durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel vieler kleiner Muskeln. Unterhalb des zweiten Halswirbels sind die zwischen den Wirbelkörpern gelegenen Bandscheiben und die dachziegelartig aufeinander liegenden Wirbelgelenke für die Beweglichkeit verantwortlich. Während die oberen Abschnitte der Halswirbelsäule zwischen 5. und 6. bzw. 6. und 7. Halswirbel sehr häufig. Der Grund hierfür ist, dass hier die Belastung am größten ist und es sich um die Übergangszone zwischen der flexiblen Halswirbelsäule und der starren Brustwirbelsäule handelt.

(Hier folgt noch ein Bild der Halswirbelsäule)

Definition
Der Bandscheibenvorfall ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal (den Raum, in dem das Rückenmark liegt) vortreten. Durch Druck auf die dort vorbeiziehenden Nerven oder, im schlimmsten Fall, auf das Rückenmark kann es zu Schmerzen, Taubheitsgefühl und Lähmungserscheinungen im Arm kommen. Wird das Rückenmark durch den Druck der Bandscheibe geschädigt, so können auch Lähmungen in den Beinen bis hin zur Querschnittslähmung auftreten.

Ursachen
Durch den Verschleiß trocknen die Bandscheiben aus, verlieren ihre Stoßdämpferfunktion und ihre Beweglichkeit. Die knöchernen Wirbelkörper nähern sich einander an und reiben aufeinander. Die Folge davon ist eine Überlastung der Wirbelgelenke, welche eine Arthrose entwickeln. Die zahlreichen Nervenendungen im äußeren Faserring der Bandscheibe und den Wirbelgelenkskapseln werden gereizt und führen zu Nackenschmerzen.

Diagnostik
Am Anfang des Krankheitsbildes steht eine neurologische Untersuchung durch die man Lähmungen, Taubheitsgefühle, Reflexdifferenzen erkennen kann. Eine Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule gibt Ausschluss über die Knochenstruktur. Funktionsaufnahmen in Vorneigung und Rückneigung können so genannte Instabilitäten aufdecken. Schrägaufnahmen zeigen knöcherne Einengungen der Wirbelkanäle. Das MRT ist heute in nahezu 100% der Fälle in der Lage, eine exakte Diagnose zu stellen und vor allem seltenere aber schwerwiegende Erkrankungen wie Tumoren oder Entzündungen auszuschließen. Gelegentlich ist, vor allem, wenn es um die Darstellung knöcherner Veränderungen oder den Ausschluss eines ganz frischen Bandscheibenvorfalles geht, das CT hilfreich.

Konservative Therapie
Es steht für verschleißbedingte Halswirbelsäulenbeschwerden eine Vielzahl von Therapieformen zur Verfügung. Nackenschmerzen werden, ebenso wie frische Bandscheibenvorfälle, ohne neurologische Ausfälle konservativ therapiert. Kurzzeitige Ruhigstellung in einer weichen Halskrause ist im Akutstadium schmerzlindernd. Schmerzmittel und muskelentspannende Medikamente unterstützen die Therapie. Bei hartnäckigen Beschwerden führt die periradikuläre Therapie (PRT) direkt an die Schmerzquellen (Nerv, Wirbelgelenk, Wirbelkanal) zu akuter Schmerzlinderung. Unterstützt werden diese Therapieformen durch sanfte Physiotherapietechniken.

Operative Therapie
Kommt es - vor allem bei Bandscheibenvorfällen oder Wirbelkanaleinengungen - nicht zu einer Beschwerdebesserung, oder liegen gar Ausfallerscheinungen vor, so hilft meist nur ein operativer Eingriff. Die meisten Operationen an der Halswirbelsäule sind minimal-invasiv und sehr schonend. Die Operation von Bandscheibenvorfällen, Wirbelkanalstenosen oder Instabilitäten erfolgt von vorne. Über einen kleinen Hautschnitt am Hals kann die Bandscheibe komplett entfernt und der Nervenkanal bzw. Rückenmarkskanal erweitert werden. Die Bandscheibe wird danach entweder durch eine künstliche Bandscheibe oder durch ein Kunststoffimplantat ersetzt. Eine künstliche Bandscheibe erhält die Beweglichkeit, während ein Kunststoffimplantat zu einer »Versteifung« zweier Wirbel führt, was jedoch meist nur mit einer ganz geringen Einschränkung der Beweglichkeit einhergeht. Nur selten ist eine zusätzliche Fixierung der Halswirbelsäule mit einem Titanplättchen notwendig. Insgesamt sind die Operationsergebnisse an der Halswirbelsäule sehr gut und erlauben, je nach Operationsart, auch die Wiederaufnahme von Sport- und Freizeitaktivitäten.

Rehabilitation
Rehabilitationsmaßnahmen spielen nur zur Wiederherstellung von Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen eine signifikante Rolle. Ihr Einfluss auf das »Endergebnis« einer operativen Therapie wird jedoch häufig überschätzt.